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 Vorwort des Präsidenten

Liebe Mitglieder, Gönner und Freunde der Suisseporcs

 

Erfolge und Illusionen sollen den Präsidenten antreiben, jeweils das Beste zu geben. Oft holen ihn aber harte Marktfaktoren wieder auf den Boden der Realität zurück! So war das vergangene Jahr auch von etlichen Highlights gekennzeichnet, dazu gehörte bestimmt die Jubiläumsveranstaltung zum 100. Jahrestag des Schweizerischen Schweinezuchtverbandes. Die gesamte Branche traf sich in Luzern, um anlässlich der SuisseTier diesen Meilenstein zu feiern. Interessante und anregende Gespräche, das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, aber auch eine beachtliche Anzahl ausländischer Gäste boten den festlichen Rahmen.

 

Ernüchternd waren hingegen die Resultate der unzähligen Aufrufe, die Produktion zu drosseln. Grundsätzlich sind sich alle Schweineproduzenten einig: Solange das Angebot nicht der Nachfrage angepasst wird, werden die Preise auf einem Niveau verharren, das es nicht erlaubt, einen angemessenen Arbeitsverdienst zu erwirtschaften und mittelfristig die nötigen Investitionen zu tätigen. Der Haken dabei ist, dass die meisten Produzenten denken: „wenn die Preise dann wieder steigen, dann will ich sicher auch dabei sein“. Die Meisten vergessen, dass der Schweinezyklus längere Phasen im Tief aufweist als in der Vergangenheit und die Ausschläge nach oben jeweils kürzer und moderater sind als zuvor. Die verlorene Wertschöpfung auf Stufe Produktion ist mit geschätzten 120-150 Mio. Franken beeindruckend. Leider verstaubt das famose Buch „ Mit weniger Arbeit mehr Geld verdienen“ irgendwo in der Rumpelkiste!

 

Jeder Produzent, der sich die Zeit genommen hat, um seine Buchhaltungszahlen mit dem Kostenrechner der Suisseporcs zu vergleichen, weiss genau, wo er steht. Will er weiter produzieren, muss er bereit sein, seine Stärken voll auszunutzen. Ich muss aber betonen, dass „stärker“ nicht unbedingt „grösser“ bedeutet!

 

Es gehört zu den Grundaufgaben einer Berufsorganisation, in einer schwierigen Lage wie der aktuellen, alle Alternativen und Vorschläge eingehend zu prüfen. Die AG Marktaktivitäten hat die Arbeit der Suisseporcs gemäss Auftrag der DV 2011 begutachtet, die Ergebnisse werden anlässlich der DV 2012 präsentiert. Vorwegnehmen möchte ich jedoch einen Punkt, der mir zentral scheint. Wie finden Berufsorganisationen motivierte Produzenten, die bereit sind ihr Wissen und ihre (meist spärliche) Zeit der Branche zur Verfügung zu stellen? Erlauben die heutigen Betriebsstrukturen noch eine Tätigkeit ausserhalb des Betriebes? Es ist dies ein Thema, mit dem wir uns unbedingt befassen müssen. Es kann nicht sein, dass wir als Produzenten und direkte Akteure, Mitbestimmung fordern und es dann jedes Mal schwieriger wird, jemanden zu finden, der sich zur Verfügung stellt.

 

Trotz Tiefstpreisen und regelmässigen Aktionen war der Schweinefleischkonsum 2011 leicht rückläufig, ein beunruhigendes Zeichen! Bei stagnierender Nachfrage und zunehmendem Produktionsfortschritt bedeutet dies nichts anderes als permanente Angebotsüberhänge. Nicht nur die Schweineproduktion muss sich mit dieser Situation befassen, besonders weil sich die Situation beim Schweinefleisch wegen der massiven Zunahme des Einkauftourismus noch verschärfen könnte.

Um das Kostenumfeld transparenter zu gestalten, wurde unter Führung der Proviande eine Kommission Waaggebühren bestimmt. Im Gegensatz zu anderen Branchen ging es nicht darum „Schuldige“ zu finden, sondern klare Definitionen der Kosten zu erhalten. Obschon das Ergebnis als guter Kompromiss bezeichnet werden kann, bleibt das definitive Resultat offen. Es wäre der Sache absolut nicht dienlich, wenn plötzlich einige Marktpartner ihre Stellung in der jetzigen Überschusssituation noch mehr ausnützen würden.

 

Beide bekannten aussenpolitischen Baustellen (FHAL und WTO) wurden im Wahljahr 2011 jäh gebremst. Die Liberalisierung im Agrarbereich ist trotzdem im Gang, Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit China und Indien laufen. Dass die Landwirtschaft dabei ausgeschlossen wird, ist eher unwahrscheinlich. Wir begrüssen die aktive Rolle des SBV, denn je früher es uns gelingt, unsere Anliegen einzubringen, je besser können wir uns auf die Herausforderungen vorbereiten.
Die Unterzeichnung der Charta zur Qualitätsstrategie ist ein wichtiger Grundstein für die Weiterentwicklung einer gemeinsamen Wertebasis in der gesamten Ernährungsbranche. Ebenso wichtig ist eine klare Swissness-Vorlage, klare Herkunftsbezeichnung ist ein wachsendes Bedürfnis unserer Konsumenten. Wir müssen unseren Konsumenten und Bürgern klar machen, welche Leistungen wir erbringen und mit welchen Methoden wir produzieren. Dazu bietet die Debatte um die AP 2014-17 eine gute Gelegenheit.

 

Zunehmend im Schussfeld stehen die wachsenden Futtermittelimporte. Bei unseren nördlichen Nachbarn sind ähnliche Tendenzen zu beobachten. Wenige wissen, dass die Schweiz das einzige Land mit 100% GVO-freier Fütterung ist. Dazu werden mehr als ¾ der importierten Soja nach den Kriterien der verantwortungsvollen Soja (RTRS) produziert. Sowohl im ÖLN wie im Tierschutz werden unsere hohen Standards nur zögerlich kommuniziert und teilweise bewusst vergessen. Unsere ausländischen Kollegen behaupten sogar, mit solchen Auflagen (z.B. keine Ferkelschutzkörbe, Einstreu, Gruppenhaltung) könne man keine Schweineproduktion betreiben. Daher unser Aufruf an die Kohärenz der Konsumenten: Auflagen ja, aber dann auch diese Produkte einkaufen und fair bezahlen.

 

Antibiotika Einsatz in der Tierproduktion wird in der Öffentlichkeit zunehmend zu einem Reizthema. Seit etlichen Jahren sind wir uns der Wichtigkeit des Medikamenteneinsatzes bewusst. Wir wollen in der Produktion alle Massnahmen ergreifen, die zur Optimierung des Einsatzes führen. Unbestritten ist in diesem Zusammenhang die Rolle unseres SGD, wir müssen uns auch in Zukunft auf einen verlässlichen Partner im Bereich Prävention und Überwachung stützen können.

 

Wiederum haben die Verantwortlichen der Geschäftsstelle eine tolle Arbeit geleistet, allen voran hat der fitte Felix Grob das Schiff gesteuert, als wichtige Seefahrer haben auch Tobias Küng und Adrian Schütz einen wesentlichen Beitrag geleistet, die schlimmsten Klippen zu umsegeln. Herzlichen Dank für euren täglichen Einsatz zugunsten der Schweinebranche. Den Mitgliedern des Zentralvorstandes danke ich für die gute Zusammenarbeit. Nicht vergessen möchte ich jedes Mitglied sowie unsere Marktpartner für den verlässlichen Einsatz zu Gunsten der Schweizer Schweineproduktion.


 

Ulrico Feitknecht, Präsident Suisseporcs, April 2012