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 Vorwort des Präsidenten

Liebe Mitglieder, Gönner und Freunde der Suisseporcs

 

Ist es ihnen auch schon aufgefallen, dass Wetterprognosen im Fernsehen oder Radio immer mehr das Schwergewicht auf das kommende Wochenende legen? Ob es am Wochenende schön ist, scheint für eine urbane Gesellschaft das wichtigste Tagesthema zu sein. Einzig über Weihnachten soll es schneien! Als Präsident einer Produzentenorganisation in einer solch wetterabhängigen Gesellschaft tätig zu sein, bedingt eine gewisse Flexibilität!

 

An Herausforderungen hat es auch im letzten Jahr sicher nicht gefehlt. Leider haben sich die Langzeitprognosen bestätigt. Kurz nach meiner Wahl begannen die Schweinepreise in ganz Europa inklusive Schweiz einen Crash-Kurs. Ich habe mehrfach nachgewiesen, dass zwischen Preisentwicklung und der Person des Präsidenten kein direkter Zusammenhang besteht. Die Preise erreichten ab Mitte Jahr ein Niveau, das als historisches Tief bezeichnet werden kann. Mein Vater behauptete letzten Herbst, in seiner beruflichen Laufbahn (immerhin 37 Jahre), nie Schweine zu solchen Preisen verkauft zu haben. Die Erholung der Preise im zweiten Semester lag deutlich unter dem Niveau der Vorjahre. Dank dem starken Franken und der Grenzbewirtschaftung konnten wenigstens die imposanten Aufschläge der Getreide- und Sojapreise auf den Weltmärkten aufgefangen werden. Besonders in diesem Bereich ziehen ganz bedrohliche Wolken am Horizont auf.

Energie- und Futterpreise sind eng gekoppelt, offensichtlich ist es bei hohen Energiepreisen interessanter, Mais zu Bioethanol oder Biogas zu verwerten als über das Schwein zu veredeln. Sollte der Ölpreis weiterhin steigen oder die politische Lage im Nahen Osten ausser Kontrolle geraten, könnte dies auch in der Schweiz zu einer massiven Erhöhung der Futtermittelpreise führen. Wie die Entwicklung der Schweinepreise in der EU zeigt, werden diese nur mit Verzögerung den höheren Futtermittelpreisen und Energiekosten angepasst, was unweigerlich bei manchem Produzenten zu Liquiditätsengpässen führt.

 

Trotzdem gib es auch einige Sonnenstrahlen: Der Konsum von Schweinefleisch hat 2010 um 740 g auf 25.33 kg zugenommen. Öfters habe ich im Restaurant auf der Menükarte mehrere Gerichte mit Schweizer Schweinefleisch gefunden und die Grossverteiler haben praktisch wöchentliche Aktionen gefahren. Aber Achtung, so erfreulich das auch tönen mag: Schweinefleisch droht bei den Grossverteilern zum Frequenzklopfer degradiert zu werden und die Gastronomie setzt bei steigenden Schweinepreisen rasch wieder Geflügel oder Fisch ein. Angeblich produzieren wir eben Mengen, die der Markt nicht zu den Preisen abnimmt, die es uns erlauben, wirtschaftlich zu arbeiten.

Marktschwankungen sind in unserer Branche nichts Neues. Alles hat allerdings eine Schmerzgrenze! Spätestens wenn nicht einmal mehr die variablen Kosten gedeckt sind, stellt sich die Frage, ob es aus unternehmerischer Sicht sinnvoll ist, weiter zu produzieren. Meine Antwort als Schweineproduzent ist klar: Die Schweizer Schweinebranche hat eine Zukunft, sofern die Bedingungen für alle Partner in der Wertschöpfungskette stimmen. Wir wollen als Lebensmittelproduzenten einen Arbeitsverdienst erwirtschaften, welcher der Qualität des Produktes entspricht und vor allem, welcher es uns erlaubt, auf unseren Betrieben nachhaltig zu wirtschaften. Konkret heisst das, wir wollen auf unseren Betrieben professionell arbeiten, wir wollen korrekte und faire Marktbedingungen. Ebenfalls wollen wir unseren Konsumenten immer wieder aufzeigen, was für hohe Standards in der Schweizer Schweinebranche erfüllt werden und nicht zuletzt müssen wir unseren Jungen Perspektiven aufzeigen.

 

Im vergangenen Jahr haben wir interessante, manchmal laute, aber vor allem offene Gespräche mit Verarbeitern und Vermarktern geführt. Es ging um Produktesicherung (nachhaltige Soja), Tierwohl (schmerzlose Kastration), Importe (Proviande), Schweizer Futter und vieles mehr.

 

Wie ich die Produzent kenne, werden etliche spätestens jetzt ausrufen: Na und, was hat der ganze Aufwand gebracht? Richtig, die Preise 2010 waren schlecht, das schleckt keine Geiss weg. Aber wir haben auch die Produktion gegenüber dem Vorjahr um 4.9% auf 2‘853‘990 Schlachtschweine gesteigert und einen Selbstversorgungsgrad von 94.5% erreicht. Vergessen wir nicht, dass wir eine der wenigen Branchen sind, die es trotz den offensichtlichen harten Zeiten noch fertig bringt, den Dialog mit den Marktpartnern zu pflegen. Sich mit den Akteuren der Branche an einen Tisch zu setzen und um einen Kompromiss zu ringen, ist wenig spektakulär! Ich bin felsenfest überzeugt, dass Dialog und faire Kompromisse ein wesentliches Merkmal von Swissness sind.

 

Wir pflegen auch mit der Verwaltung regen Kontakt, besonders mit dem BLW, dem BVet und den kantonalen Ämtern. Klar, auch mir gehen ab und zu die Sicherungen durch, wenn ich immer wieder mit kostentreibende Auflagen konfrontiert werde. Hier geht es darum, möglichst früh in den Prozess eingreifen zu können, darum brauchen wir ein gut funktionierendes Netzwerk. Umweltauflagen sind auch im Ausland zunehmend ein Kostenfaktor. Zudem müssen Tierwohl und Umweltschutz in Einklang sein, was bei den neuen Auflagen zur Reduktion des Ammoniaks äusserst fraglich ist.

 

Überaus interessant waren die Kontakte mit ausländischen Berufskollegen. Das Bild, das man sich von der Schweiz allgemein macht, ist für mich wirklich bemerkenswert. Wir werden als eine Oase der Verlässlichkeit und der Stabilität wahr genommen. Es geht um die ganz einfache Frage: Wie können wir diese Werte, zusammen mit unseren Partnern über unsere Produkte kommunizieren? Sicher nicht in dem wir uns abschotten, sondern eher indem wir dieses Image täglich pflegen und uns wenigstens überlegen, wie wir es eben diesen Konsumenten auch anbieten könnten.

 

Wiederum ist die Anzahl der Mitglieder leicht gesunken, die Abnahme entspricht ungefähr der strukturell bedingten Abnahme der Schweineproduzenten. Somit ist und bleibt Suisseporcs die Ansprechstelle für Schweineproduzenten in der Schweiz. Mit Adrian Schütz konnten wir im Frühjahr 2011 die Geschäftsstelle mit einem ausgewiesenen und engagierten Söieler verstärken. Damit haben wir die besten Voraussetzungen für weisse Weihnachten 2011.

 

Abschliessend möchte ich den Verantwortlichen der Geschäftsstelle, allen voran Felix Grob und Tobias Küng ohne den scheidenden Beat Wandeler zu vergessen, für ihren täglichen Einsatz für die Schweinebranche herzlich danken. Ebenso den Mitgliedern des Zentralvorstandes für die gute Zusammenarbeit, aber auch jedem Mitglied draussen in den Sektionen sowie unseren Marktpartner für den täglichen Einsatz zu Gunsten der Schweizer Schweineproduktion.

 

Ulrico Feitknecht, Präsident Suisseporcs, April 2011